Schneider: Orgelsinfonie No. 16 (Orgel)
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Zum Reformationsjubiläum 2017 hat sich Komponist Enjott Schneider eingehend mit der Person Martin Luther und all ihren Widersprüchen beschäftigt. Herausgekommen ist eine fulminante Orgelsinfonie, die zum Beispiel bestens für Konzerte zum Thema Reformation und Martin Luther eignen. Die fünf Sätze der Sinfonie beschreibt der Komponist wie folgt: 1. Satz: Wir glauben all an einen Gott zeigt sich mit dem quintolenartigen Anfang sehr gregorianisch und skizziert die Spannweite der lutherischen Emotionalität zwischen Mittelalter und Neuzeit. Die Irrationalität des Glaubens hat letztlich Priorität vor allem Denken und Beweisen. Zu Beginn des Satzes wird mit hölzernem Klopfgeräusch an das Anschlagen der 95 Thesen an die Wittenberger Kirchentüre erinnert. Zum Teil versteckt sich die Choralmelodie in einem fast derben mittelalterlichen Saltarello, auf Luthers Robustheit und Vitalität verweisend, mit denen er vor allem auch die einfachen Leute mitzureißen wusste. 2. Satz: Vom sächsischen Kurprinzen erhielt Luther 1530 auf der Coburg den goldenen Siegelring mit der Lutherrose, die zum Sinnbild für seine Gnadentheologie wurde. In der für die Rose typischen Fünfblättrigkeit ist ein weißes Herz mit schwarzem Kreuz eingefasst. Weiß ist für ihn Farbe der Engel und der Geister; schwarz steht für den Schmerz der Kreuzigung: Der Gerechte wird durch den Glauben leben, aber durch den Glauben an das Kreuz. Da als übergeordnete Symbolik aber Rose und Herz dominieren, zeigt sich hier, wie die katholische Marienfrömmigkeit zeitlebens ein Ingredienz der lutherischen Spiritualität blieb. Analog zur dominanten Fünferstruktur der Rose ist dieser Satz weitgehend in der schwebenden und poesievollen Rhythmik eines 5/8-Taktes komponiert. 3. Satz: Zum Wesen des damaligen Weltbildes gehört die Allgegenwärtigkeit von Tod und Sterben, angefangen von Pest, Kriegen bis zu den nie endenden Gefahren des Alltags. Daraus resultierten Ängste, die sich etwa in den Bildern von Hieronymus Bosch ins Groteske steigern konnten. Der Totentanz war ein beliebtes Motiv jener Jahre. Luthers Choral Mitten wir im Leben sind / mit dem Tod umfangen von 1524 (Erfurter Enchiridion) basiert auf dem etwa um 750 in Frankreich entstandenen gregorianischen Media vita in morte sumus und inspirierte mit seinem Vergänglichkeitsgedanken zu einem holzschnittartigen Gestus. 4. Satz: Jenes berühmte auf dem Wormser Reichstag 1521 geäußerte Bekenntnis Ich kann nicht anders / hier stehe ich / Gott helfe mir / Amen ist nicht Luthers Wortlaut, sondern die später als Flugblatttext zugespitzte Version. Es repräsentiert dennoch plakativ die Geradlinigkeit und Zwangsläufigkeit seiner Mission. Musikalisch wurde daraus ein Perpetuum Mobile, also ein hartnäckiger, ostinater und nie enden wollender musikalischer Gestus. 5. Satz: Die Feste Burg ist wiederum eines der großen Sinnbilder Martin Luthers, das mit seinem leuchtenden C-Dur wie kein anderes Lied den protestantischen Gedanken und Eigenwillen der Reformation verkörpert. Heinrich Heine bezeichnete es als Marseiller Hymne der Reformation, Friedrich Engels als Marseillaise der Bauernkriege. Diese Streitbarkeit wird hier nicht zu Ende gedacht sondern eher gebrochen: mit einer jubilierenden Vogelstimmenversion der Melodie zeigt das Finale eine eher kammermusikalisch Seite.... der Freiheitsgedanke des Christenmenschen.
| Merk | Schott Music |
|---|---|
| Serie | Edition Schott |
| Instrument | Orgel |
| Artikelnummer | SCHED22668 |
| Barcode (EAN) | 9790001162715 |

